Kleinplastik am Dom zu Regensburg

Seit über 700 Jahre ist der Dom St. Peter Kathedrale der Bischöfe von Regensburg und Mittelpunkt einer großen Diözese. Er ist mit seinen beiden, erst im 19. Jahrhundert fertiggestellten Türmen das Wahrzeichen Regensburgs und gilt als das bedeutendeste gotische Baudenkmal Bayerns.

Neben seinen, nach dem Vorbild der klassischen Kathedralen Frankreichs gestaltete, sehr subtilen Architekturformen, weist er eine Vielzahl ausgesprochen eigenständiger, fantasiereicher Bauplastiken im Inneren wie außen auf.

Dem Betrachter schnell ins Auge fallend sind besonders die erhabenen Figuren, die großen Gestalten des Alten und Neuen Testaments. An der Westfassade werden ihm die vier Weltkaiser auf ihren ungewöhnlichen Reittieren wie dem Einhorn oder dem Panther ebensowenig entgehen wie die Propheten und Apostel, die fast immer unter einem reich verzierten Baldachin stehen und so besonders ausgezeichnet sind.

Anziehungspunkte auch für weniger Interessierte sind die frühe Darstellung der Maria Verkündung mit dem lachenden Erzengel Gabriel, der als ein besonderes Wahrzeichen des Domes gilt, oder die Apostelfiguren aus dem Paler-Umkreis an den Vierungspfeilern im Inneren des Domes.

Darüber hinaus aber ist das Bauwerk nach ikonographischen Gesetzmäßigkeiten, die wir heute nicht so ohne weiteres nachvollziehen können, fast übersät von hunderten kleiner Skukpturen, die Pflanzen, Tiere oder auch Menschen darstellen.

Die verschiedenen Gattungen stehen alleine, werden zueinander in Beziehung gesetzt oder in inniger Verbindung gezeigt. Der Sinngehalt mancher dieser Kleinplastiken erschließt sich uns nicht immer.

Die Reihung der wie versteinerter Bäume anmutenden Fialen mit ihren Krabben und Kreuzblumen mag bizarr wirken; sie sind aber einem strengen Ordnungsprinzip von der Architektur vorgegeben, unterworfen. Sie stehen an Kreuzungspunkten der sensiblen, skelettartigen Baukonstruktion oder bekrönten Pfeiler ebenso, wie sie sie in geomatrischer Ausgewogenheit umgeben.

Alt- oder neutestamentarische Themen sind immer leicht zu bestimmen. Etwa die “heiligen Tiere” an den Pfeilern des Hauptchores als die Symbole der Evangelisten. Folgerichtig sind sie hier bei Baubeginn als die Zeugen der Heilsgeschichte an den Anfang gesetzt …..

Der Phantasie des Bildhauers waren kaum Grenzen gesetzt. Menschen- und Tierköpfe, von Pflanzenhaar umwuchert oder mit ornamentalem Blattwerk überzogen, sind Sinnbilder des Schöpfungsgedankens. Das Diaphane in der gotischen Bildsprache unseres Domes, das Durchscheinende, sich Durchdringende betont die Einheit von Natur und Kreatur. Diese Übereinstimmung ist ein Wunschbild seit langem, nicht erst unserer Zeit.  (Richard Triebe)